Überblick: Warum Frameworks statt Bauchgefühl

LektionGrundlagen: Aufgaben statt Berufeca. 3 Min. Lesezeit

Begriffe vorab

  • Automatisierung: Aufgaben werden ganz oder teilweise von Maschinen oder Software übernommen.
  • Analyseebene: die Einheit, die ein Modell bewertet – Beruf, Aufgabe oder Arbeitsaktivität.
  • Potenzial vs. Umsetzung: Was technisch möglich ist, ist nicht automatisch wirtschaftlich oder organisatorisch umgesetzt.

Dieses Lernpaket arbeitet sieben Frameworks auf, mit denen sich KI- und Automatisierungsrisiken methodisch abschätzen lassen. Jede Einheit folgt demselben Aufbau: Lernziele, Kerninhalt, Anwendung auf Betriebsratsarbeit, Anwendung auf Projektmanagement, Leseliste und Reflexionsfragen. Die Einheiten bauen aufeinander auf und sollten der Reihe nach 1 bis 7 bearbeitet werden.

Der rote Faden

Der Weg führt von den Grundlagen über die Berufsebene und die Aufgabenebene zur Datenbasis, danach zur generativen KI, zur praktischen Anwendung und schließlich zur empirischen Gegenprüfung.

  1. Grundlagen (Autor, Acemoglu & Restrepo)
  2. Berufsebene (Frey & Osborne)
  3. Aufgabenebene (OECD)
  4. Datenbasis (O*NET, ISCO-08)
  5. Generative KI (ILO, Eloundou, Felten)
  6. Anwendung (McKinsey)
  7. Empirische Gegenprüfung (Acemoglu & Restrepo, Noy & Zhang)

Merksatz für das gesamte Paket: KI-Exposition ≠ Automatisierungswahrscheinlichkeit ≠ tatsächlicher Arbeitsplatzverlust. Drei Begriffe, drei verschiedene Dinge.

Übersicht der Frameworks

  • Einheit 1 – Autor / Acemoglu & Restrepo: Ebene Aufgaben und neue Tätigkeiten. Automatisierung verdrängt und schafft zugleich Aufgaben.
  • Einheit 2 – Frey & Osborne: Ebene ganzer Beruf. Rund 47 % der US-Jobs mit hohem Risiko, eher eine Obergrenze.
  • Einheit 3 – OECD / Arntz, Gregory, Zierahn: Ebene einzelne Aufgabe. Rund 9 % der OECD-Jobs potenziell automatisierbar.
  • Einheit 4 – O*NET / ISCO-08: Datenbasis. Liefert die Aufgaben- und Berufsdaten, auf denen andere Modelle aufbauen.
  • Einheit 5 – ILO / Eloundou / Felten: Exposure gegenüber generativer KI. Exposition ist nicht Automatisierung und nicht Jobverlust.
  • Einheit 6 – McKinsey: Arbeitsaktivität. Schätzt den automatisierbaren Anteil von Tätigkeiten, nicht ganzer Berufe.
  • Einheit 7 – Acemoglu & Restrepo (empirisch): Tatsächliche Einführung. Reale Beschäftigungs- und Lohneffekte von Robotereinsatz.

Warum das relevant ist

Betriebsratsarbeit

Bei der Einführung von KI-Systemen bestehen Mitbestimmungsrechte, unter anderem nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 BetrVG (technische Überwachungseinrichtungen) sowie nach §§ 90 und 92 BetrVG (Personalplanung, Unterrichtung). Um fundiert Stellung zu nehmen, Qualifizierungsbedarf zu begründen und Aussagen wie „KI ersetzt X Stellen“ sachlich zu prüfen, braucht es eine Methodik statt Bauchgefühl.

Projektmanagement

Bei Digitalisierungs- und KI-Projekten hilft dieselbe Methodik, das Automatisierungspotenzial realistisch einzuschätzen (Aufgaben- statt Berufsebene), Ressourcen- und Skill-Gap-Planung zu fundieren und die Kommunikation mit Stakeholdern von Hype zu trennen.

Warum Zahlen allein nicht reichen

Schlagzeilen wie „Die Hälfte aller Jobs ist gefährdet“ klingen eindeutig, hängen aber an Annahmen: Was wird gezählt – Berufe oder Aufgaben? Technisch mögliche oder tatsächlich geplante Automatisierung? Über welchen Zeitraum? Zwei Studien können bei denselben Daten zu sehr verschiedenen Zahlen kommen, wenn sie unterschiedlich zählen. Die folgenden Einheiten zeigen, wie man solche Unterschiede erkennt.

Wie man das Paket nutzt

  1. Zuerst die Begriffe der Einheit 1 klären.
  2. Dann die beiden Zählweisen (Berufe, Aufgaben) vergleichen.
  3. Anschließend Datenquellen, generative KI, Praxisanwendung und empirische Befunde durcharbeiten.
  4. Zum Schluss an einem eigenen Fall anwenden.

Was das Paket nicht ist

Es liefert keine Prognose für einzelne Arbeitsplätze und keine Rechtsberatung. Es vermittelt Werkzeuge, um Aussagen über KI und Arbeit einzuordnen und Fragen zu stellen.

Prüfstatus: Belegt (Stand 1. Oktober 2026): Jahreszahlen, Zahlen, Namen und Quellenangaben dieser Lektion, soweit die Quellenliste sie nennt, wurden gegen Primärquellen geprüft. Nicht einzeln belegt: erklärende Darstellung nach Lehrbuchstand und Quellen, die in der Liste als „allgemeine Referenz“ markiert sind.

Quellen

  • Frey, Osborne – „The Future of Employment: How Susceptible Are Jobs to Computerisation?“ (Oxford Martin School, 2013)
  • Arntz, Gregory, Zierahn – „The Risk of Automation for Jobs in OECD Countries“ (OECD, 2016)

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