Begriffe vorab
- Muster (Pattern): eine bewährte Bauform für ein wiederkehrendes Problem.
- Orchestrator: ein zentrales Modell, das Aufgaben verteilt.
- Gate: eine programmatische Prüfung zwischen zwei Schritten.
- Voting: dieselbe Aufgabe mehrfach lösen und die Ergebnisse vergleichen.
Fünf Workflow-Muster
Anthropic beschreibt in „Building effective agents“ fünf Muster, die vom einfachen Workflow zum Agenten führen:
- Prompt Chaining (Verkettung): Eine Aufgabe wird in eine Folge von Schritten zerlegt, jeder Modellaufruf verarbeitet die Ausgabe des vorigen. Zwischen den Schritten können Prüfungen (Gates) stehen.
- Routing: Eingaben werden klassifiziert und an spezialisierte Folgeschritte geleitet, sodass jeder Prompt fokussiert bleibt.
- Parallelisierung: Modelle arbeiten gleichzeitig, die Ergebnisse werden programmatisch zusammengeführt – entweder als Sectioning (unabhängige Teilaufgaben) oder als Voting (dieselbe Aufgabe mehrfach für vielfältigere Ergebnisse).
- Orchestrator-Worker: Ein zentrales Modell zerlegt die Aufgabe dynamisch, verteilt sie an Worker-Modelle und fasst die Ergebnisse zusammen. Anders als bei der Parallelisierung sind die Teilaufgaben nicht vorab festgelegt.
- Evaluator-Optimizer: Ein Modell erzeugt, ein anderes bewertet; in einer Schleife verbessert sich das Ergebnis.
Ein durchgespieltes Beispiel: Übersetzung einer Produktseite
Prompt Chaining: Rohübersetzung → Fachbegriffe prüfen → Tonfall angleichen. Routing: Rechtstexte gehen an einen Prompt mit Rechtsvokabular, Marketingtexte an einen mit Markenstil. Parallelisierung (Voting): Drei Übersetzungen werden verglichen, Abweichungen markiert. Evaluator-Optimizer: Eine Prüfinstanz bewertet nach Kriterienliste, der Übersetzer verbessert, bis alle erfüllt sind. Orchestrator-Worker: sinnvoll, wenn nicht klar ist, wie viele Dateien betroffen sind.
Wie man die Muster wählt
- Mit der einfachsten Lösung beginnen und nur bei messbarem Nutzen erweitern.
- Jede Stufe misst Kosten, Zeit und Qualität – komplexere Muster erhöhen alle drei.
- Gates und Obergrenzen verhindern, dass Fehler sich fortpflanzen oder Schleifen endlos laufen.
In der Praxis werden die Muster kombiniert. Ein Orchestrator kann etwa Worker parallel starten und das Ergebnis über einen Evaluator laufen lassen.
Wann welches Muster?
Prompt Chaining passt, wenn sich eine Aufgabe sauber in feste Teilschritte zerlegen lässt und man Genauigkeit gegen Wartezeit tauscht. Routing lohnt sich bei klar unterscheidbaren Eingabearten, die verschiedene Behandlung brauchen. Parallelisierung hilft, wenn Teilaufgaben unabhängig sind oder mehrere Sichtweisen die Zuverlässigkeit erhöhen sollen. Orchestrator-Worker ist für Aufgaben gedacht, bei denen vorab unklar ist, welche Teilaufgaben entstehen, etwa Änderungen an mehreren Dateien. Evaluator-Optimizer setzt voraus, dass es klare Bewertungskriterien gibt und Nachbessern messbar hilft.
Typische Fehler beim Einsatz
- Ein Muster wird gewählt, weil es modern wirkt, nicht weil die Aufgabe es verlangt.
- Zwischenergebnisse werden nicht geprüft, sodass sich Fehler durch die Kette ziehen.
- Die Bewertungskriterien des Evaluators sind zu vage, und die Schleife dreht sich ohne Fortschritt.
- Es fehlt eine Obergrenze für Durchläufe und Kosten.
Zum Selbermachen
- Zerlege eine Aufgabe (zum Beispiel eine Zusammenfassung mit Quellenprüfung) in eine Verkettung mit mindestens einem Gate.
- Prüfe, ob ein zweiter Modellaufruf als Evaluator die Qualität messbar hebt – und was er kostet.
Prüfstatus: Belegt (Stand 1. Oktober 2026): Titel, Autoren, Jahre, Konferenzen, Zahlen und Aussagen der genannten Quellen wurden gegen Primär- bzw. Verzeichnisquellen geprüft. Nicht einzeln belegt: erklärende Darstellung, die Beispiele (konstruiert) und die Einordnung in eigenen Worten.
Quellen
- Anthropic – „Building effective agents“ (Dezember 2024): Prompt Chaining, Routing, Parallelization (Sectioning, Voting), Orchestrator-Workers, Evaluator-Optimizer