Begriffe vorab
- Multi-Agenten-System: mehrere Agenten, die zusammenarbeiten oder miteinander kommunizieren.
- Rolle: eine Aufgabe oder Perspektive, die einem Agenten zugewiesen wird.
- Gedächtnisstrom (Memory Stream): eine fortlaufende, in Sprache gespeicherte Aufzeichnung der Erlebnisse eines Agenten.
- Delegation: die Übergabe einer Teilaufgabe an einen anderen Agenten.
Wozu mehrere Agenten?
Mehrere Agenten lohnen sich, wenn Teilaufgaben unterschiedliche Anweisungen, Werkzeuge oder Perspektiven brauchen. Ein Agent mit einer langen, überladenen Anweisung und vielen Werkzeugen wählt häufiger falsch; mehrere Spezialisten mit kurzen Anweisungen sind leichter zu steuern und zu testen. Dem steht Mehraufwand gegenüber: Übergaben kosten Zeit und Geld, und Missverständnisse zwischen Agenten sind zusätzliche Fehlerquellen.
Orchestrator-Worker als Grundform
Die am häufigsten beschriebene Struktur ist das Orchestrator-Worker-Muster: Ein Orchestrator zerlegt die Aufgabe dynamisch, verteilt sie an Worker und führt die Ergebnisse zusammen (siehe die vorige Lektion). Der Orchestrator braucht dafür Überblick und klare Regeln, wann eine Aufgabe fertig ist.
Ein berühmtes Experiment: Generative Agents
Park et al. (UIST 2023) erweiterten ein Sprachmodell um einen Gedächtnisstrom, in dem alle Erlebnisse in natürlicher Sprache gespeichert werden, um verdichtete Reflexionen und um Planung. In einer Simulation im Stil des Spiels „Die Sims“ lebten 25 solcher Agenten in einer kleinen Stadt und konnten von Nutzenden in natürlicher Sprache angesprochen werden. Die Arbeit zeigt, wie sich aus Gedächtnis, Reflexion und Planung glaubwürdig wirkendes Verhalten ergeben kann; sie ist eine Forschungsdemonstration, kein Produktionssystem.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Programmier-Team nutzt drei Rollen: einen Planer, der die Änderung beschreibt, einen Umsetzer, der den Code schreibt, und einen Prüfer, der Tests ausführt und Befunde zurückmeldet. Ein menschlicher Entwickler gibt die Änderung am Ende frei.
Mehr Agenten bedeuten nicht automatisch bessere Ergebnisse. Jede Übergabe ist eine Stelle, an der Information verloren gehen oder ein Fehler sich verstärken kann. Miss, ob die Aufteilung gegenüber einem einzelnen, gut ausgestatteten Agenten tatsächlich etwas bringt.
Zum Selbermachen
- Skizziere ein Drei-Rollen-System für eine Aufgabe aus deinem Alltag.
- Lege fest, welche Information jede Rolle übergeben muss und wer am Ende entscheidet.
Prüfstatus: Belegt (Stand 1. Oktober 2026): Titel, Autoren, Jahre, Konferenzen, Zahlen und Aussagen der genannten Quellen wurden gegen Primär- bzw. Verzeichnisquellen geprüft. Nicht einzeln belegt: erklärende Darstellung, die Beispiele (konstruiert) und die Einordnung in eigenen Worten. Die Aussagen zum Nutzen und zu den Nachteilen mehrerer Agenten sind Einordnung, keine Messung aus den genannten Quellen.
Quellen
- Park et al. – „Generative Agents: Interactive Simulacra of Human Behavior“ (UIST ’23, ACM, Oktober 2023)
- Anthropic – „Building effective agents“ (Dezember 2024): Orchestrator-Workers
- Lilian Weng – „LLM Powered Autonomous Agents“ (Juni 2023)