Begriffe vorab
- Betriebssystem: Software, die Hardware verwaltet und Programmen Dienste anbietet.
- Kernel: Kern des Betriebssystems mit Zugriff auf die Hardware.
- Prozess: Laufendes Programm mit eigenem Speicher.
- Systemaufruf: Anforderung eines Programms an den Kernel.
- Virtueller Speicher: Abstraktion, die jedem Prozess einen eigenen Adressraum vorspiegelt.
Wozu ein Betriebssystem?
Ohne Betriebssystem müsste jedes Programm Festplatte, Netzwerkkarte und Bildschirm selbst ansprechen und sich mit allen anderen Programmen abstimmen. Das Betriebssystem übernimmt das: Es verwaltet Ressourcen (Prozessor, Speicher, Geräte) und stellt einheitliche Schnittstellen bereit. Programme sehen „Dateien“ und „Netzwerkverbindungen“ statt Plattenblöcken und Netzwerkpaketen – das ist Abstraktion.
Kernel und Benutzerprogramme
Der Kernel läuft im privilegierten Modus und hat Zugriff auf die Hardware. Normale Programme laufen im Benutzermodus mit eingeschränkten Rechten. Wollen sie etwas, das nur der Kernel darf (Datei öffnen, Daten senden), stellen sie einen Systemaufruf. So kann ein fehlerhaftes Programm nicht ohne Weiteres das ganze System lahmlegen.
Prozesse und Scheduling
Auf einem Rechner laufen viele Prozesse, aber nur wenige Prozessorkerne. Der Scheduler des Kernels teilt Rechenzeit zu und wechselt blitzschnell zwischen Prozessen. Für jedes Programm entsteht der Eindruck, es habe den Rechner für sich.
Virtueller Speicher
Jeder Prozess bekommt einen eigenen Adressraum. Der Kernel bildet ihn auf den tatsächlichen Arbeitsspeicher ab und kann Teile bei Bedarf auf Festplatte auslagern. Das schützt Prozesse voreinander und erlaubt es, mehr Speicher zu nutzen, als physisch vorhanden ist.
Das Betriebssystem als Schichtenmodell
Edsger Dijkstra beschrieb 1968 im Aufsatz „The Structure of the THE-Multiprogramming System“ (Communications of the ACM 11(5)) ein System mit Schichten, bei dem höhere Schichten nur von niedrigeren abhängen. Die unterste Schicht verwaltet den Prozessor, die nächste den Speicher; darüber muss sich niemand mehr um die Zahl der Prozessoren kümmern. In demselben Aufsatz führte Dijkstra die Semaphore als Mittel der Synchronisation ein. Das Schichtenprinzip prägt seither Betriebssysteme – und Netzwerke.
Beispiel: Eine Datei speichern
Ein Textprogramm ruft „Datei schreiben“ auf. Der Kernel prüft Rechte, übergibt die Daten an den Dateisystemtreiber, dieser an den Gerätetreiber, und der schreibt auf den Datenträger. Das Textprogramm weiß nichts von Blöcken oder Controllern.
Jede Schicht kennt nur die Schicht direkt unter sich – das macht Systeme änderbar, ohne dass alles zerbricht.
Zum Selbermachen
- Öffne den Task-Manager oder das Aktivitätsprotokoll und zähle die laufenden Prozesse.
- Nenne drei Dienste, die dein Betriebssystem für Programme anbietet, ohne dass die Programme Hardware kennen müssen.
Verwandte Themen
Rechner → „Von-Neumann-Architektur“. Schichtenmodelle → „Das Schichtenprinzip“. Security → Rechtetrennung folgt dem Prinzip der geringsten Rechte („Entwurfsprinzipien“).
Prüfstatus: Belegt (Stand 1. Oktober 2026): Dijkstras Aufsatz (Communications of the ACM, Band 11, Heft 5, 1968, S. 341–346), die Schichtstruktur mit Prozessorverwaltung unten und Speicherverwaltung darüber sowie die Einführung der Semaphoren wurden gegen Fachquellen und das Dijkstra-Archiv geprüft. Nicht einzeln belegt: die Beschreibung von Kernel, Systemaufruf, Scheduling und virtuellem Speicher (allgemeines Grundlagenwissen aus Lehr- und Fachtexten, nicht gegen ein einzelnes Lehrbuch geprüft) und das Dateibeispiel (didaktisch vereinfacht).
Quellen
- Edsger W. Dijkstra – „The Structure of the ‚THE‘-Multiprogramming System“ (Communications of the ACM 11(5), 1968, S. 341–346)